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Maria Waldek – Die Freundin

Das Jubiläumsjahr zum 125. Geburtstag Alfred Kubins ist guter Anlaß, an eine Frau zu erinnern, deren langes Leben von der Persönlichkeit und Kunst Alfred Kubins geprägt wurde – Maria Waldek.
Waldek wurde am 21.10.1897 in Winterberg in Böhmen geboren, wo sie auch zur Schule ging. Später erlernte sie den Beruf der Gärtnerin, arbeitete aber bei ihrem Vater im Versicherungsbüro.
Als junge Frau lernte sie bei einem Böhmerwaldfest das Ehepaar Koeppel aus Waldhäuser im Bayerischen Wald kennen, es war der Beginn einer lebenslangen Freundschaft. Der Maler Reinhold Koeppel, von Freunden Peter genannt, erwarb 1908 das alte Schulhaus von Waldhäuser am Abhang des Lusen. Daraus wurde eine Begegnungsstätte für viele Künstler, deren bekanntester schon damals Alfred Kubin war.
Auch Maria Waldek sah bei den Koeppels zum ersten Mal Bilder von Kubin und war vom ersten Augenblick an fasziniert. Es dauerte aber noch einige Jahre bis sie 1931 Kubin persönlich kennenlernte. Waldek in einem Tonbandinterview: „Schon nach dieser ersten Begegnung blieb ein tiefer Eindruck vom Alfred Kubin in mir“.
Kubin verbrachte seit 1922 viele Sommerurlaube im Böhmerwald und war anschliessend meistens bei Hanne und Peter Koeppel zu Gast, zwischen 1922 und 1956 insgesamt 17 mal. Der Bayerische und der Böhmerwald wurden für Kubin eine neue Heimat, die ihn wesentlich beeinflußten.
Als Reinhold Koeppel 1932 erkrankte, übernahm Maria Waldek die Besorgung des Urlaubsquartiers für Kubin und war ihm dann immer eine ortskundige Begleiterin auf seinen Wanderungen. Zufrieden schreibt Kubin am 14.10.1932 an die Koeppels: „Ich selbst, körperlich ganz wunderbar im Böhmerwald erholt- besonders auch durch Marie W. Mithilfe...“ Als Kubin 1932 sein Quartier in Kubohütten aufschlug, kam Maria Waldek oft von ihrem Heimatstädtchen Winterberg zu Besuch. Von Kubohütten aus führte sie ihren Freund durch die Urwälder des nahen Kubany. Alfred Kubin besuchte Maria Waldek einige Male in Winterberg. Auch im Hause Koeppel gab es oft ein Wiedersehen. Waldek in ihren Erinnerungen: „Waldhäuser war weit weg und die Sehnsucht war groß – also schulterte ich meinen Rucksack. Und ich wünschte mir immer heimlich, wenn ich den Weg herunterkam, wenn doch Kubin hier wäre.“
Diese Begegnungen führten zu einer innigen Freundschaft mit vielen Hindernissen und Schwierigkeiten. Waldek: „Wie das so ist bei jungen Freundschaften, wir konnten nie genug voneinander bekommen... Aus der flüchtigen Begegnung in Tusset war eine große, tiefe Freundschaft entstanden, eine Freundschaft für`s Leben, aber nicht ohne Schwierigkeiten, nicht ohne Hindernisse...“
Die vielen Briefe, die Maria Waldek von Kubin erhielt, waren oft illustriert. Waldek: „Und die Korrespondenz zwischen uns war lebhaft – 2 bis 3 Briefe in der Woche waren das Normale.“ – Waldek hat später ihre Briefe von Kubin vernichtet. Kubin widmete Waldek Bücher und Mappen und zu besonderen Anlässen wunderschöne Zeichnungen, auch in schwierigen Zeiten: „Wir sahen uns von 1932 bis 1939 sieben lange Jahre nicht mehr und schrieben uns ganz selten, aber ich bekam zu jedem Weihnachtsfest ein schönes Blatt.“
„Bei Alfreds Aufenthalt in Winterberg 1944“, erinnert sich Maria Waldek, „haben wir meine Kubinsammlung durchgeschaut und Alfred hat selbst die meisten Blätter datiert, das heißt, das Entstehungsjahr des Blattes auf die Rückseite geschrieben, soweit er sich noch erinnern konnte.“ Als 1946 Maria Waldek nach Österreich vertrieben wurde, konnte sie den Großteil ihrer Sammlung retten.
Von Katzenberg im Mühlviertel, wo Maria Waldek die ersten Jahre nach ihrer Flucht wohnte, und später von Linz aus, besuchte sie dann regelmäßig Alfred und Hedwig Kubin in Zwickledt. Auch nach dem Tod Hedwig Kubins im Jahre 1948 war Maria Waldek häufig bei Alfred Kubin bis zu dessen Tod am 20. 8. 1959.
Wenn man Maria Waldek besuchte und mit ihr ihre Kubin-Sammlung anschauen durfte war das immer eine feierliche Handlung. Viele Kubinsammler und -verehrer pflegten Kontakt mit Maria Waldek und spürten, mit wieviel Liebe und Verehrung sie von Alfred Kubin sprach. Für Alfred Kubin war Maria Waldek die Verkörperung des von ihm so geliebten Böhmerwaldes. „Ich war für ihn der Böhmerwald“, meinte Maria Waldek in ihren Gesprächen.
Ihre Sammlung wurde 1968 im Österreichischen Kulturinstitut in Rom ausgestellt (Katalog), einige Zeichnungen waren Leihgaben bei der großen Kubinausstellung von Karl u. Faber in München 1977 (Katalog) sowie in der Kubin-Böhmerwaldausstellung der Ostdeutschen Galerie Regensburg 1985, und kehrten noch einmal in ihre Heimat zurück, als sie 1993 im Hans-Eisenmann-Haus im Nationalpark Bayerischer Wald gezeigt wurden (Folder). Einige wenige Blätter haben ihren Weg in Sammlungen gefunden.
Maria Waldek starb kurz vor ihrem 96. Geburtstag in einem Altenheim in Linz.
Walter Zachl/F.A.


Rechte für die Texte Kubin bei Spangenberg/München

 
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